Erb Gut Kunst

Symposium des Deutschen Kunstrates 2009

 

Der Deutsche Kunstrat konnte im Jahr 2009 - abermals mit Unterstützung der Kölner Messegesellschaft - ein Symposium durchführen. Unter dem Titel ERB GUT KUNST diskutierten Wissenschaftler, Künstler und Archivare Ende November 2009 auf der Kölner Fachmesse für Museumstechnik EXPONATEC über Fragen nach der gesellschaftlichen Verantwortung für das kulturelle Erbe vor dem Horizont elektronischer Techniken der Dokumentation und Veröffentlichung; ein besonderes Augenmerk lag auf der Erhaltung von Künstlernachlässen.

Im Zentrum stand ein Vortrag über die Folgen des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs, wobei das Auditorium insbesondere von den projizierten Fotografien des Unglücksortes sehr beeindruckt war. Diese wurden von Dr. Katharina Corsepius (Verband Deutscher Kunsthistoriker) aufgenommen, die entscheidend bei der Organisation der Bergung des Archivguts in den Wochen und Monaten nach der Katastrophe beteiligt war. Im Anschluss kam es zu einer intensiven Debatte über die Notwendigkeit eines intensivierten Schutzes von Kulturgütern - woran sich die zahlreich anwesenden Mitarbeiter des Kölner Stadtarchivs rege beteiligt haben.

Eine Podiumsdiskussion unter der Moderation von Thomas Wulffen (AICA - Internationaler Kunstkritiker-Verband) befasste sich mit neuen Arbeitsweisen der Museen, mit dem Stellenwert des künstlerischen Originals und dem rezeptiven Blickfeld des Betrachters im Zeitalter ubiquitärer Bildreproduktion. Vertreter der Museen machten deutlich, dass die Digitalisierung in erster Linie eine komplette Bestandsaufnahme ermöglicht. Für die Hauptaufgabe des Museums - schützen und bewahren - stellt die digitale Erfassung eine große Hilfe dar, zumal damit den steigenden Ansprüchen des Publikums und der Forschung auf relevante Informationen im Netz nachgekommen werden kann.

Auch Künstler beziehen die Möglichkeiten der neuen Technologien zunehmend in ihre künstlerischen Prozesse reflektierend ein - und natürlich auch in ihre jeweilige Vermittlungspraxis. Digitalisate vermitteln zwar vielfältige Informationen über Kulturobjekte und machen diese allgemein zugänglich - sie werden aber niemals das Original ersetzen. Über die Frage, ob es in Zukunft einen Vorrang der Reproduktion geben wird, hinter der das Original verschwindet, herrschte somit Konsens: nein. Im Kontext der unbegrenzten digitalen Bilderwelt im Netz wurde auch der Aspekt des Urheberrechts problematisiert, wobei deutlich wurde, dass Kulturakteure hier mitunter Lücken haben. Die anwesenden Juristen hielten sich vornehm zurück. Visionen über die Möglichkeiten und Freiheiten digitaler Welten haben offenbar mehr Charme als ihre Restriktion.

Kathy Kaaf (GEDOK) moderierte eine Debatte zum Thema „Individuelle Künstlernachlässe“. Birgit Jooss (Deutsches Kunstarchiv, Nürnberg) und Günter Herzog (ZADIK - Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels, Köln) vermittelten Einblicke in die Arbeitsweise ihrer jeweiligen Institute. Beide betreuen und erforschen Nachlässe von Künstlern bzw. Kunstvermittlern, publizieren Dokumente und organisieren Ausstellungen. In der anschließenden Diskussion schaltete sich u.a. Karin Lingl (Stiftung Kunstfonds) ein mit dem Hinweis auf ein neues Archiv für Künstlernachlässe - und zwar für Kunstwerke - in Brauweiler (NRW). Zur Qualitätssicherung ist hier eine sinnvolle Auswahl der Donationen wichtig, wofür eine fachkundige Jury bestellt wurde. Denn nur die wenigsten Künstler sind in Sachen Nachlasspflege zu Lebzeiten selbst aktiv. Archive wie jenes in Brauweiler könnten in Zukunft Zeichen setzen gegen die Grabesruhe von Kunstdepots, indem sie mit Museen und Galerien zusammenarbeiten und die bei ihnen gelagerten Werke als Leihgaben wieder in Umlauf bringen.

 

Birgit Maria Sturm (Sprecherin)


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